Allgemeine Stellungnahmen zum Strategiepapier

Hier haben Sie die Möglichkeit, allgemein zum Strategiepapier Stellung zu nehmen. Hier können Sie auch alle weiteren Kapitel und Textpassagen des Strategiepapiers zu kommentieren.

Kommentare (24)

Usnija Buligovic

28.11.2016 23:18

Wir finden, dass das Strategiepapier mehr eine Bestandsaufnahme des bisher Geleisteten als tatsächlich wegweisende Neuerungen für Maßnahmen und Projekte zur Inklusion der Roma/Romnja und Sinti/Sintize darstellt. Die Feststellung, was noch, vor allem wie und in welchem Zeitrahmen geschehen sollte, um die Ziele der Inklusion zu erreichen, hätte vielleicht im Rahmen einer Konferenz aller Beteiligten AktivistInnen, ProjektmitarbeiterInnen und InteressentInnen effektiver gesammelt und danach in einem Strategiepapier zusammengefasst werden können.

Es fehlen vor allem Bestrebungen festzustellen wo und wie viele Roma und Sinti tatsächlich in Österreich leben, wie ihre Biografien und Lebensumstände wirklich sind, und vor allem, welche Maßnahmen bzw. Hilfen sie dazu brauchen. So eine Feststellung kann nur der Staat als übergeordneter Verwaltungsverantwortlicher machen. Vereine, Roma-Projekte und zivilgesellschaftliche Organisationen können dabei nur helfen, ein Out-Reach Programm ins Leben zu rufen und langsam, Bundesland für Bundesland, Region für Region nachzuforschen, wo überall Roma/Romnja und Sinti/Sintize in Österreich leben. Erst nach Kontaktaufnahme mit und unter Beteiligung dieser Gruppen können seriöse Schritte zur Inklusion der Roma/Romnja und Sinti/Sintize in den Bereichen, in denen sie sich exkludiert fühlen, gefunden und unternommen werden.

Romano Centro

28.11.2016 18:26

Fortführung der EU Strategie zur Inklusion der Roma nach 2020 auf europäischer und nationaler Ebene
Die österreichische Bundesregierung sollte während der EU-Ratspräsidentschaft in der 2. Hälfte 2018 dafür eintreten, dass die EU die Bemühungen um eine Verbesserung der Situation der Roma fortsetzt und ab 2021 eine neue Strategie umsetzt, die die Erfahrungen des aktuellen Prozesses aufnimmt und Antiziganismus und Mechanismen sozialer Exklusion vermehrt berücksichtigt.
In der Neugestaltung der Förderprogramme für die Periode nach 2020 sollte die Verbesserung der Situation der Roma als Priorität festgelegt werden. Auch dafür sollte sich die österreichische Bundesregierung einsetzen.
Bei der Verwendung von EU-Geldern auf in Österreich sollten Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der Roma bzw. zur Bekämpfung von Antiziganismus und Diskriminierung als Schwerpunkte definiert werden (neben anderen).
Es sollte angestrebt werden, die Strategie zur Inklusion der Roma in Österreich nach 2020 jedenfalls fortzuführen.

Nadja Lobner

28.11.2016 17:22

Stellungnahme des Vereins "Phurdo Salzburg - Zentrum Roma Sinti" zur Roma-Strategie:

Ad III. Monitoring
Das Monitoring und die Evaluierung der politischen Programme zur „Inklusion“ der Roma muss sich nicht entlang des Kriteriums „Ethnizität“ orientieren – vor allem dann nicht, wenn es eine Gesellschaft anstrebt, gesellschaftliche Trennlinien entlang dieses Kriteriums zu überwinden. Die Kategorisierung eines Menschen nach Geschlecht oder Mitglied einer Ethnie stellt entscheidende Dimensionen sozialer Differenz dar, die im Alltagsverständnis mit ontologischen Merkmalen verbunden sind, soziales Leben ordnen, Hierarchien und soziale Ungerechtigkeit erzeugen. Institutionelle Kategorisierungen und Muster sozialer Identifikation tragen zur Entstehung „ethnischer“ Gruppen bei. Die Rolle der Sozialwissenschaften bzw. der Ethnizitätsforschung muss daher hinterfragt werden, denn sie trägt zur Institutionalisierung ethnischer Differenzen und der Legitimation ethnischer Wirklichkeit bei – vor allem dann, wenn „ethnische Zugehörigkeit“ als naturgegeben und nicht als Konstruktion verstanden werden. Die Erforschung von Armut und sozialer Ausgrenzung in einer Gesellschaft ist insofern aufschlussreich, denn sie zeigt, welche Kategorisierungen in einer Gesellschaft hierarchiebildend wirken.

Nadja Lobner

28.11.2016 17:20

Stellungnahme des Vereins "Phurdo Salzburg - Zentrum Roma Sinti" zur Roma-Strategie:

Psychische Gesundheit: i) Das Sprechen über Gewalt und Diskriminierung im Rahmen der Psychotherapie wird nicht immer als heilend empfunden. ii) Die Vorstellung, Zeit in der Psychiatrie zu verbringen, macht vielen Betroffenen Angst. iii) Psychotherapeutische Behandlung wird nicht immer finanziert und ist teuer. Bei der Bewertung, ob Psychotherapie von der GKK bezahlt wird, wird das Einkommen herangezogen, nicht aber die Ausgaben –z. B. im Zuge innerfamiliärer Umverteilung. iv) Das Loslassen als spirituelle Technik der Psychohygiene ist nicht anerkannt. (U.a. werden notreisende Roma dafür kritisiert, wenn sie Sachspenden einfach zurücklassen.)

Wohnen: Auch bei Phurdo sind Wohnen und Obdachlosigkeit Hauptthemen der Sozialarbeit. Das erzielte Einkommen ist oftmals nicht hoch genug, um auf Dauer eine Wohnung anzumieten. „Arbeitswilligkeit“ als beim Sozialamt und AMS verwendeter Begriff muss kritisch hinterfragt werden. Wer „arbeitsunwillig“ ist, dem werden die Leistungen der BMS gekürzt (zumindest in Salzburg). In so einem Fall kann man sich nur vor der Obdachlosigkeit schützen, wenn man ein ärztliches Attest bringt, das die Arbeitsunfähigkeit aufgrund von psychischen Problemen bescheinigt. Es ist eine generelle Reform der BMS notwendig, die die Leistungen nicht an „Arbeitswilligkeit“ koppelt. BMS arbeitet mit einem sehr engen Arbeitsbegriff und erschwert sowohl zivilgesellschaftliche Tätigkeit als auch Tätigkeit in anderen Bereichen außerhalb der unselbständigen Erwerbsarbeit.

Alter: Altersarmut trifft diejenigen, die keine klassische Erwerbsbiographie aufweisen und vom Zerfall von Familien im Zuge der Integration in eine individualisierte Gesellschaft betroffen sind. Es bestehen ein hoher Integrationsdruck und Vorgaben auf dem Arbeitsmarkt in Richtung Individualisierung. Für alte Menschen braucht es eigene Strategien, um sie im Alter abzusichern und Armut zu vermeiden.

Cornelia Broos

28.11.2016 17:16

Die Volkshilfe Flüchtlings- und MigrantInnenbetreuung GmbH in Oberösterreich begrüßt das vorliegende Papier der „Strategie zur Fortführung der Inklusion der Roma in Österreich“ als ersten Schritt in Richtung einer Gleichstellung. Wir möchten hiermit, im Sinne einer umfangreichen und vollständigen Sichtweise, in dieser Stellungnahme die Erfahrungen unserer Organisation mit einbringen.

Die vorliegende Strategie steht für die Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage der Sinti und Roma sowie bessere Chancen im Bereich Bildung, Gesundheitsförderung, Wohnraum, Beschäftigung und Gleichbehandlung durch politische Maßnahmen. Derzeit finden sich jedoch zahlreiche offene und versteckte Diskriminierungsmechanismen in Österreich wider, denn obwohl Sinti und Roma im EU-Raum EU-BürgerInnen sind und als solche EU weit eine theoretische Gleichstellung genießen, werden sie aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit diskriminiert. Dies geschieht laut Studien, sowohl im Wohnungsmarkt, als auch in der Bildung. Infolgedessen erhöht sich ihre Armut und die Kluft zwischen der marginalisierten Roma-Gemeinschaft und der Mehrheitsgesellschaft geht immer weiter auseinander.
Im vorliegenden Strategiepapier sehen wir daher vorwiegend vier Verbesserungsbereiche, die unserer Ansicht nach wichtig in der erfolgreichen Umsetzung sind:

1) Die unkonkrete Beschreibung der Maßnahmen vor allem in den Bereichen Gesundheit und Wohnraumpolitik, sowie in der Umsetzung der Aktivitäten auf Ebene der Länder und Gemeinden, lässt viel Spielraum und gibt wenig Verpflichtung. Hier wären konkrete, verbindliche Zielvorgaben und Aufträge an die verschiedenen Institutionen, im Sinne eines Top-Down Prinzips notwendig. Auch sind wichtige Vernetzungen zwischen den verschiedenen Playern, Institutionen und politischen Ebenen als Umsetzungsfläche beschrieben, jedoch derzeit noch nicht existent. Durch fehlende Anleitung und Verpflichtung, diese Kontaktpunkte aufzubauen, kann es zu Verzögerungen in der Umsetzung kommen. Durch konkrete Arbeitsanweisungen von Bundeseben, bekämen geplante Maßnahmen einen höheren Stellenwert und mehr Verbindlichkeit bei der Umsetzung.

2) Ein Manko liegt in der geringen Verbindlichkeit zur Einhaltung der Maßnahmen und fehlender Konsequenzen bei der Nichteinhaltung der vorliegenden Strategie. Durch eine Verbindlichkeit der Strategie und der Einführung von Sanktionen, bei der nicht-Einhaltung und Missachtung der Strategie, kann sie an Bedeutung und konsequenter Durchführung der Maßnahmen gewinnen. Hier bedarf es einer offiziellen Beschwerdemöglichkeit, klar definierten Strafen und Konsequenzen, sowie einen geregelten Anspruch auf kostenlosen rechtlichen Beistand für Personen der Zielgruppe bei Diskriminierungserfahrungen, um die notwendige Durchsetzung zu erreichen. Gleichzeitig sollte die Strategie auch Anreize für Angebote an die Zielgruppe schaffen und Formen der Wertschätzung bei erfolgreicher Umsetzung einführen.

3) Erfolgreichen Integration und Gleichstellung von Roma in Österreich bedarf Bewegung und Offenheit von beiden Seiten. In diesem Papier werden überwiegend Maßnahmen vorgeschlagen, um Roma den Einstieg in und die Adaptierung an unser System zu erleichtern. Es fehlen jedoch vor allem im Bereich der Bildung, des Gesundheitssystems und im Umgang mit Behörden, spezielle strukturelle Maßnahmen, um die Systeme auch flexibler zu gestalten und an die Bedürfnisse der Zielgruppe anzupassen und damit Hemmschwellen abzubauen. Allzu oft reagieren politische EntscheidungsträgerInnen mit Verboten und Verfolgung, wie Bettelverboten, Schlafverboten, Campierverboten, etc. anstatt aktive Schutzfunktionen für Betroffene aufzubauen und politische Verantwortung zu übernehmen, um Strukturen zu gestalten, die für die Zielgruppe nutzbar sind und diese unterstützen. Maßnahmen um Anreize zu schaffen, Selbstverantwortung zu übernehmen, das Selbstwertgefühl als Mitglied der Volksgruppe zu erhöhen und Hilfe zur Selbsthilfe zu stärken, sind in dieser Strategie kaum beschrieben und ausbaufähig.

4) Während Maßnahmen im Bereich der Sozialarbeit, Beratung und Betreuung mittels des Europäischen Sozialfonds an NGOs abgesichert sind, wird die Finanzierung von politischen und strukturellen Maßnahmen zwar in diesem Papier zugesichert, allerdings nicht genauer definiert. Um nachhaltige Wirkungen zu erzielen, bedarf es auch einer langfristigen Sicherstellung der notwendigen finanziellen Mittel. Vor allem auf Landes- und Gemeindeebene gibt die Strategie lediglich die Empfehlung, die vorgeschlagenen Maßnahmen aus den jeweiligen Budgets zu begleichen, dies wird allerdings nur durchgeführt werden, wenn diese Mittel auf Bundesebene zur Verfügung gestellt und gesichert werden oder ein politischer Druck zur Umsetzung aufgebaut wird.

Generell schlagen wir vor, dass die Funktion eines/r Volksgruppenvertreter/in mit politischer Funktion in die Strategie aufgenommen wird, welche zugleich eine Kontaktstelle und Kontrollinstanz ist, die die Befolgung und Durchsetzung der Strategie überwacht. Diese/r Volksgruppenbeauftragte/r, stammend aus der Roma-Gemeinschaft soll ebenfalls im Parlament beratend vertreten sein und somit ein Mitspracherecht bei der Gestaltung der Politik und Gesetze haben. Antidiskriminierungsmaßnahmen und Antidiskriminierungsgesetze, welche von allen EU-BürgerInnen und den PolitikerInnen und BerichterstatterInnen sämtlicher Medien befolgt werden müssen, sollen in die Roma-Strategie aufgenommen werden.

Zusammenfassend empfehlen wir, dass die Roma-Strategie konkreter und verbindlicher gestaltet werden sollte. Durch detaillierte Erläuterungen und Formulierungen in leichter Sprache kann die Umsetzung erleichtert werden. Sie soll langfristig finanziert und verbindlich sein mit klar definierten Folgen, bei der nicht Einhaltung der einzelnen Aufforderungen. Schlussendlich muss Gleichstellung und Integration von beiden Seiten erfolgen, denn nur so kann die Roma-Strategie auch erfolgreich sein.

E.Thurner, B.Eder-Jordan, E.Hussl

27.11.2016 21:10

• Grundsätzlich gilt es zu berücksichtigen, dass Maßnahmen, die sich an alle richten, auch Roma und Romnja erreichen müssen. Wie wird das sichergestellt?
• Es sollte zwischen allgemeinen Maßnahmen und solchen, die sich spezifisch an Roma und Romnja richten, unterschieden werden.
• Wie wird sichergestellt, dass Maßnahmen (wo es keine Roma-Vereine gibt) auch die westlichsten Bundesländer erreichen bzw. dort umgesetzt werden? Welche Maßnahmen gibt es, um den Bedarf in den Bundesländern zu erheben?
• Vor allem auch im Westen werden bezahlte Personen mit Know-how benötigt, für die Fixbeträge einkalkuliert werden müssen.
• Zu welchem Punkt sollen „Durchreiseplätze“ zugeordnet werden oder die Forderung zur Errichtung weiterer? Es könnte unter "Kontinuität der nationalen Finanzierung von Integrationsmaßnahmen" fallen. Hier ist zu betonen, dass es auch andere Existenz- und Lebensbedürfnisse gibt, die zu beachten sind. Durchreiseplätze sind kein Gegensatz zur beabsichtigten, zur fördernden Integration, sondern können zum Abbau von Antiziganismus beitragen wie auch zur Sensibilisierung von Bevölkerung und kommunalen, etc. Einrichtungen und darin arbeitenden Menschen. Pläne zur Einrichtung von Durchreiseplätzen in den Bundesländern sollten weiter verfolgt bzw. umgesetzt werden. (In Tirol liegt dazu eine Studie im Amt der Tiroler Landesregierung vor: Ricarda Kössl/Elisabeth Hussl: DURCHREISEPLATZ für fahrende Roma, Sinti und Jenische sowie weitere Reisende in Tirol. Machbarkeitsstudie, Februar 2014)
• Es bedarf an Maßnahmen für notreisende Roma und Romnja speziell auch im Westen Österreichs, die vielfach von Angeboten der Wohnungslosenhilfe und bestehenden Beratungsangeboten aufgrund unterschiedlicher Zugangshürden ausgeschlossen sind oder nur schwer erreicht werden können. (Stichwort: Integration in den Arbeitsmarkt, Bildungsangebote, Wohnen)
• Berichte zu Antiziganismus (Romano Centro) und aktuelle Studien bzw. Forschungsergebnisse zum Thema Armutsmigration sollten erwähnt und berücksichtigt werden. (Siehe dazu z.B.: Heinz Schoibl: „Solange es mir hier, auf der Straße, besser geht als Zuhause, werde ich herkommen und betteln.“ Notreisende und Bettel-MigrantInnen in Salzburg. Erhebung der Lebens- und Bedarfslagen, hg. von Helix – Forschung und Beratung, Juni 2013, http://www.helixaustria.com/uploads/media/Not-Reisen_und_Bettel-Migration_Bericht_131001.pdf; Erika Geser-Engleitner: Bettelnde Notreisende in Vorarlberg. Eine empirische Untersuchung, hg. vom Amt der Vorarlberger Landesregierung, Bregenz, Juli 2016, https://www.vorarlberg.at/pdf/bettelndenotreisendeinvor.pdf sowie eine noch unveröffentlichte Studie von Barbara Tiefenbacher/Elisabeth Hussl/Daniel Škobla/Mario Rodriguez Polo zur Armutsmigration nach Tirol: https://www.uibk.ac.at/migration-globalization/projekte/#überleben).

E.Thurner, B.Eder-Jordan, E.Hussl

27.11.2016 21:03

I. Ausgangssituation
Roma in Österreich:
• Die Ergänzung, dass in den westlichen Bundesländer gar nicht so wenig Roma (im weitesten Sinn) leben, die unter unterschiedlichen Bedingungen und Zeiten in den Westen zugewandert/migriert/geflüchtet sind, sollte schon erwähnt werden. Und dass es wichtig ist, auch jenen Möglichkeiten zur Anbindung an die östlichen Vereine/an die sog. Roma-Zivilgesellschaft zu bieten.
• Schätzungen zur Zahl der autochthonen Roma und Romnja gehen durchaus wesentlich höher als die angegebenen 5.000. Es sollten auch Schätzungen über die Zahl der zugewanderten Roma und Romnja angegeben werden bzw. auch eine Zahl aller in Österreich geschätzten Roma und Romnja genannt werden, um ein realistisches Gesamtbild zu vermitteln. Schon vor Jahrzehnten wurde im Bericht zur Volksgruppenanerkennung von mindestens 25.000 Roma gesprochen, 8.bis 10.000 autochthone, der Anteil der anderen durch ArmutsmigrantInnen und Flüchtlinge ist sicher mittlerweise ebenfalls viel höher.
II. Schwerpunktsetzungen zur Roma Inklusion bis 2020
• Es ist nicht klar ersichtlich und unterscheidbar, welche Maßnahmen und Ziele umgesetzt/erreicht wurden, werden oder bis 2020 werden sollen.
• Als ergänzende Schwerpunkte sollten Wohnen und Gesundheitsfürsorge mitaufgenommen werden.

Gilda Horvath

27.11.2016 17:36

Kommentar zum Punkt III Monitoring S. 19-20

Fragen die aufgrund der Beschreibung offen bleiben:

1) Welche Art von Monitoring wird verwendet? (Welcher Ansatz, welche Methode, welches Instrument?)
2) Wer führt das Monitoring durch? In welchen Zeiträumen?
3) Die Informationsgewinnung bzw. Erhebung von Empfehlungen geschieht bisher auf 2 Ebenen: a) Die Romadialogplattform b) Studien; Wie und durch wen werden diese „Studien“ durchgeführt? Wie und nach welchen Kriterien werden die Anbieter ausgewählt die diese Studien durchführen? In wie fern partizipieren Roma in diesem Entscheidungsprozess? Wie werden die qualitativen Daten erhoben? Wie und von wem wird die Validität dieser Studien (budgetär, inhaltlich, zeitlich;) belegt und bewertet?
4) Wer definiert die Ziele, die Kennzahlen und die Definition von „Erfolg“ innerhalb des Maßnahmen Monitorings?
5) Wie sind das Zielmonitoring und das Maßnahmenmonitoring miteinander verknüpft?
6) Welche Priorisierung haben die Ziele und die Maßnahmen untereinander?
7) Wer bestimmt und entwirft die Systeme und Kennzahlen die für das Ziel/Maßnahmenmonitoring verwendet werden?
8) Wenn hauptsächlich qualitative Daten erhoben werden – nach welchen Kriterien werden diese ausgewertet bzw. wie werden diese in messbare Kennzahlen umgewandelt?
9) Der Text besagt bezüglich der Partizipation von Roma und Sinit: „Diese begleiteten den Umsetzungsprozess auch im Rahmen der Dialogplattform.“ In welcher Art und Weise partizipieren die Roma auf strategischer Ebene bzw. was das Monitoring betrifft?

Zum bisherigen Prozess:
1) Inwiefern wurden Vorschläge aus den Meetings in der Dialogplattform in das neue Strategiepapier integriert?
2) Deutlicher: Wer war am Entscheidungsprozess beteiligt wenn es darum WELCHE Vorschläge in das Papier integriert wurden und welche nicht? War dieser Entscheidungsprozess transparent gestaltet?
3) War der Prozess effizient?
4) War dieser Prozess getragen von der Expertise der ExpertInnen aus der Roma Community?
5) Wer entscheidet darüber welche Vorschläge aus dem aktuellen Online-Feedback in die endgültige Version der Roma Strategie übernommen werden?

Meine Empfehlung:

Die Vision sowie die strategischen Ziele sind bereits definiert. Um den Erfolg der Roma Strategie zu evaluieren ist es notwendig den gesamten Prozess in einem verknüpften System mit definierten und priorisierten Kennzahlen zu betrachten und einen Methodenmix zu verwenden. Die EU Kommission gibt hier 3 Dimensionen vor:
Zeit, Inhalte, Budget;

Innerhalb dieser Dimensionen sollten folgende Faktoren berücksichtigt werden:
Zeit
In diese Dimension fallen: Effizienz der Gesamtprozesse von der Know-How Gewinnung bis zur Implementierung von Maßnahmen gemessen an der zeitlichen Dauer bzw. Die zeitliche Differenz zwischen Informationsgewinn und Entwicklung von Maßnahmen bzw. deren Implementierung sowie die zeitliche Differenz zwischen angekündigten Maßnahmen und deren tatsächlicher Umsetzung.

Inhalte
In diese Dimension fallen: Qualität, thematischer Fokus sowie Art und Bestimmung der Inhalte der Strategie und der Maßnahmen gemessen an deren Validität, der Erhebungsart und des Grades der Partizipation der Roma und Sinti bei der Entwicklung, Auswahl und Implementierung von Maßnahmen sowie die Integrationsprozesse von gewonnenen Wissen, Know-How und Empfehlungen aus der Romadialogplattform.

Budget
In diese Dimension fallen: Effizienz, Balance, Priorisierung und Transparenz beim Einsatz von finanziellen Mitteln zur Entwicklung und Implementierung der Maßnahmen im Rahmen der Romastrategie.

Übergreifend wären zu berücksichtigende Faktoren zudem:
- Grad der Partizipation von Roma und Sinti (inhaltlich, personell und finanziell)
- Qualität der Prozesse: Sind diese transparent, dokumentiert, nachvollziehbar, und valide?
- Effizienz im Prozess von der Informationsgewinnung zur operationellen Umsetzung

Ein ernstgemeintes, strukturiertes und umfassendes Monitoring stärkt die Steuerung der Romastrategie, deren Implementierung, Glaubwürdigkeit und Nachvollziehbarkeit. Hier ist Potenzial tatsächlich einen Maßstab für gelebte Transparenz und sichtbaren politischen Willen zu setzen.

Gilda Horvath

27.11.2016 17:35

Kommentar zu „II Schwerpunktsetzungen zur Roma Inklusion bis 2020“
Punkt 4. Bekämpfung von Antiziganismus

Alle erwähnten Maßnahmen sind positiv zu bewerten. Besonders die Arbeitsgruppe zur medialen Darstellung von Roma in den Medien hat großes Potenzial. Diese Arbeitsgruppe sollte fachlich von Roma und Sinti selbst angeleitet werden um Ergebnisse von Relevanz zu erzielen.

Die Vernetzung und Sensibilisierung mit/von Medienschaffenden sollte auf einer breiteren Basis geschehen als „nur“ in der erwähnten Arbeitsgruppe. Hier sollte eine nachhaltigere und weniger punktuell fokussierte Methode erarbeitet werden die es Medienschaffenden ermöglich langfristig und jederzeit mit FachexpertInnen der Roma Community in Austausch zu treten.

Eine aktive Partizipation von RomaexpertInnen im österreichischen Presserat sowie das Angebot/der Kontakt zu qualifizierten ExpertInnen als Wissensquelle „auf Abruf“ wären hier praktische Ansätze.

Kommentar zu „II Schwerpunktsetzungen zur Roma Inklusion bis 2020“
Punkt 5. Partizipation

Die Romadialogplattform wird hier – zurecht - als gutes Beispiel für lebendige Partizipation dargestellt. In der Strategie sollte an diesem Punkt, wie Eingangs zum Punkt „Stärkung der Nationalen Roma Kontaktstellen in den Mitgliedsstaaten“ bereits erwähnt, die Absicht die Dialogplattform selbst als Ort der Partizipation und Entscheidungsprozesse personell, inhaltlich und finanziell zu stärken klar formuliert sein. Dieser Punkt sollte als eigene Maßnahme im Bereich der Partizipation geführt werden.

Die Online-Dialogplattform hatte leider ihre Schwächen in folgenden Bereichen:

• Erreichung der Zielgruppe
• Fehlende Partizipation durch die Zielgruppe in der Entwicklung der Plattform selbst
• Barrieren zur Teilnahme an der Online-Befragung (sprachlich, technisch, informationell, Registrierung notwendig)
• Unklare/fehlende Informationen über den Integrationsprozess des Online-Feedbacks in die Romastrategie (Wer entscheidet darüber was, in welcher Form mit welchem Gewicht in die Strategie übernommen wird und was nicht?)

Zusätzlich möchte ich einbringen, dass bei den Vernetzungstreffen der Nationalen Kontaktstellen auf europäischer Ebene jeweils ein Vertreter/eine Vertreterin aus der Roma/Sinti Community anwesend sein sollte. Dies stärkt die Partizipation der Roma auf einer symbolischen und sichtbaren Ebene und wäre ein klares Bekenntnis zur gelebten Partizipation an andere Nationale Kontaktstellen Europas.

Gilda Horvath

27.11.2016 17:35

Kommentar zu „II Schwerpunktsetzungen zur Roma Inklusion bis 2020“
Punkt 1. Bildung; S. 11-13
Viele der genannten Maßnahmen sind auf inklusive Politiken ausgelegt. Ich möchte mich hier mit Nachdruck für die verstärkte Unterstützung der erwähnten Roma-spezifischen Maßnahmen aussprechen; Das sind:
- die Lernhilfeprogramme
- Roma SchulmediatorInnen sowie
- Kooperation von Role Models mit jugendlichen Roma im außerschulischen Bereich

Kommentar zu „II Schwerpunktsetzungen zur Roma Inklusion bis 2020“
Punkt 2. Arbeitsmarkt; S. 13 - 15

Hier werden zwar verschiedene Maßnahmen genannt, allerdings sollte hier einem hochrelevanten Punkt für die erfolgreiche Umsetzung in der gesamten Strategie mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden: Die Konzeption und Durchführung durch die Roma und Sinti selbst.

Dies ist gültig für mehrere Ebenen in Implementierungsprozessen: Die inhaltliche Konzeption (Fachexpertise), die Akquise von TeilnehmerInnen (Vertrauen als Basis für Teilnahme), die Entwicklung von Lösungs- und Coachingansätzen die die spezifischen Barrieren und Herausforderungen für Roma und Sinti berücksichtigen (sollen) (authentische Erfahrungswerte als Basis notwendig) sowie die Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeitsarbeit sind Aspekte die nur durch die Partizipation von Roma und Sinti auf allen Ebenen der notwendigen Prozesse gewährleistet werden kann.

Diese Tatsache und das Bewusstsein darüber ist wie wir wissen in der Arbeit der Dialogplattform vorhanden und sollte ebenso klar in der Romastrategie verankert sein.

Diese Personen als Brücken, Schnittstellen, Vermittler, MultiplikatorInnen und Wissensträger maßgeblich für den Erfolg von Maßnahmen und deren Bewerbung in der Öffentlichkeit.

Zudem wäre eine stärkere Bezugnahme in der Romastrategie zum Bereich digitaler Medien wünschenswert. Spezielle Maßnahmen in diesem Bereich erleichtern nicht nur den Zugang für Roma und Sinti zu einem wachsenden, internationalen Arbeitsmarkt (besonders für junge Menschen), sondern haben auch Potenzial die Partizipation der Roma an der Gesellschaft durch gestärkte Fähigkeiten im Bereich der Media-Literacy zu erhöhen.


Kommentar zu „II Schwerpunktsetzungen zur Roma Inklusion bis 2020“
Punkt 3. Stärkung der Roma Zivilgesellschaft

Der Berufsbegleitende Lehrgang „Roma Empowerment“ sollte weniger als Lehrgang und mehr als Coaching gesehen und implementiert werden. Das dieser Lehrgang an eine Berufstätigkeit geknüpft ist widerspricht den Gegebenheiten in der Realität denn: Gerade jene Menschen die KEINEN Job haben benötigen Coaching bzw. Mentoring um Wege aus ihrer Situation zu finden.

(junge) Roma-AkteurInnen im Bereich Training und Informationsvemittlung weiterzubilden ist ein positiver Ansatz und sollte progressiv unterstützt werden.

Die Ausbildung zu professionellen Trainern sollte allerdings im ersten Level auch die Zielgruppe bereits älterer und erfahrener Menschen berücksichtigen. Hier würde die Expertise die jene Menschen haben endlich in Form einer Qualifizierung anerkannt werden was es ihnen widerum ermöglicht ihr angesammeltes Wissen in professioneller Form an die jüngere Generation weiter zu geben. Gleichzeitig würde man so auch einen Pool aktiver Role-Models schaffen.

Der thematische Fokus der Maßnahmen im Bereich der Seminare an Einrichtungen ist nicht weiter definiert – sollte es aber sein. Es gibt bereits erprobte und erfolgreiche Ansätze in der Abhaltung von Seminaren verschiedener Art von der Roma-Community. Diese Ansätze/Modelle sollten Beachtung finden; die über Jahre gesammelten Erfahrungswerte (THARA, Romano Centro und weitere) mit diversen didaktischen Ansätzen, Themenfoki und Zielgruppen sollten Grundlage aller weiterer Konzeptionen im Bereich „Seminare“ sein.

Im Bereich der Memorial Culture/Gedenkarbeit sollte zunehmend ein Fokus zum Thema „Wissenstransfer“ gesetzt werden. Ohne Frage ist die Schaffung und Erhaltung von Gedenkstätten ein wichtiges und richtiges Anliegen.
Es ist es angesichts der Tatsache, dass es immer weniger aktive ZeitzeugInnen gibt um ihr Wissen zu vermitteln genauso wichtig, dass aktiv daran gearbeitet wird Wissen und Dokumente von/mit ZeitzeugInnen für die Nachwelt zu sichern. Zusätzlich sollten diese Dokumente durch Digitalisierung und Übersetzung (Englisch und Romanes) für eine bessere Verbreitung und Verwendbarkeit aufbereitet werden.

Zudem sollte der verstärkte Austausch innerhalb der Roma Community bezüglich der traumatischen Auswirkungen des Holocaust auf die Folgegenerationen, gestärkt werden. Hier gibt es sehr erfolgreiche Projekte die zeigen, dass der aktive „interne“ Austausch eine sehr effektive Methode der Reflexion und Verarbeitung für Betroffene darstellt und somit sehr zur Stärkung der Identität beiträgt.